Bodenbach stimmt mit knapper Mehrheit für den größten Windpark in der VGerbandsgemeinde Kelberg

Mit einem formellen Bürgerentscheid wurden die Bodenbacher Bürger*innen am 14.03.2021 gefragt, ob sie für oder gegen den Bau einer einzelnen Windkraftanlage in der Gemarkung Bodenbach sind. Grundsätzlich ist dieses Vorgehen einer von vielen Schritten zu einem transparenten Verfahren. Aber leider zeigt auch dieses Vorgehen wieder, dass man noch weit von einer umfassenden transparenten Informationspolitik unter Einbeziehung aller durch diese Windkraftanlage betroffenen Bürger*innen entfernt ist. Nicht nur in Bodenbach, sondern auch in den von den Auswirkungen dieser Anlage betroffenen Nachbargemeinden Bauler, Bongard, Borler, Gelenberg, Meisenthal, Rothenbach und Senscheid muss deshalb ebenfalls eine Bürgerbefragung stattfinden.

 

Ergebnis: 91 Einwohner*innen (57%) waren für die Aufstellung einer Windkraftanlage in der Gemarkung Bodenbach und 68 (43%) dagegen, bei einer Wahlbeteiligung von 90%.

 

Wann erhalten die Bürger*innen weitere Informationen, die für so einen wichtigen Entscheid notwendig sind und dem Bürgermeister Thorsten Krämer und dem Ortsgemeinderat Bodenbach schon lange vorliegen? Zum Beispiel, dass die auf dem Ahrberg (537,7 Meter ü. NN) geplante Windkraftanlage eine Höhe von ca. 240 Meter haben wird und die Gesamthöhe somit bei ca. 778 Meter ü. NN liegt. Damit wäre die Windkraftanlage ca. 303 Meter höher als der Ort Bodenbach (475 Meter ü. NN) und hätte nur einen Abstand von ca. 1.200 Meter zum nächstgelegenen bebaubaren Grundstück. Zu den Häusern am Rothenbacher Berg sind es gerade mal 900 Meter, da diese im Außenbereich liegen und deshalb nur einen Vorsorgeabstand von 500 Meter statt 1.100 Meter erhalten.

 

Oder die überaus wichtige Information, dass nach der dritten Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms IV vom 21.07.2017 Windenergieanlagen nur an solchen Standorten errichtet werden dürfen, an denen der Bau von mindestens drei Anlagen im Verbund möglich ist (Z 163 g). Nach der im Jahr 2017 eingestellten Flächennutzungsplanung (FNP) der VG Kelberg sind an dem 197 Hektar großen Waldstandort eine Anlage in der Gemarkung Bodenbach, drei in der Gemarkung Gelenberg, sechs in der Gemarkung Kelberg und somit insgesamt 10 Windkraftanlagen im räumlichen Verbund planungsrechtlich möglich! Die Bodenbacher Bürger*innen entscheiden über die Anlage in der Gemarkung Bodenbach. Der Ortsgemeinderat Bodenbach hat jedoch keinen Einfluss auf weitere Anlagen in den Gemarkungen Gelenberg und Kelberg. Das in diesen Gemarkungen keine weiteren Anlagen genehmigt und gebaut werden, kann der Bodenbacher Rat somit den Bodenbacher Bürger*innen weder versprechen noch garantieren! Deshalb sind seitdem auch bei der Kreisverwaltung Vulkaneifel keine Anträge mehr für eine einzelne Windkraftanlage gestellt worden. Ganz im Gegenteil: alleine aus der VG Kelberg liegen der KV Vulkaneifel in Daun derzeit Anträge der Gemeinden Boxberg/Bongard für 6 Anlagen, Retterath/Kolverath für 4 Anlagen und Mannebach für 6 Anlagen vor.

 

Wenn es nach den Plänen der Windkraftbetreiber geht, dann würden auf dem Höhenrücken zwischen Bodenbach und Darscheid zusätzlich zu den bereits 9 vorhandenen Windkraftanlagen mindestens 24 weitere 250 Meter hohe Anlagen entstehen und davon alleine 22 Anlagen im Wald. Bereits in der 2017 eingestellten Flächennutzungsplanung der VG Kelberg war eine Anlage in Bodenbach auf dem Ahrberg aufgeführt. Weiter ging es im sogenannten „Wilden Gebirge“ mit 2 Anlagen in der Gemarkung Gelenberg. Ob hier bereits Planungen laufen und wann eine Information durch Bürgermeister Peter Burggraf an die Gelenberger Bürger*innen über einen gemeinsamen Windpark mit Bodenbach erfolgt, ist noch unklar.

 

Auf Kelberger Gebiet hatte man 6 Anlagen auf dem Höhenrücken geplant. Diese Pläne wurden nach der Gemeinderatssitzung vom 24.04.2018 mit der Beschlussfassung „Die Gemeinde Kelberg hat kein Interesse an der Errichtung von WKA in der Ortsgemeinde“ vorerst auf Eis gelegt. Fast alle Ratsmitglieder begründeten damals ihre Entscheidung damit, dass sie eigentlich für Windkraft sind, jedoch die Meinung der Kelberger Bürger*innen zur Windkraft akzeptieren, die mehrheitlich gegen Windkraft in und um Kelberg sind. Was ist jedoch nach den nächsten Kommunalwahlen 2024 wenn Kelberg von 16 Anlagen in Boxberg/Bongard, Retterath/Kolverath und Mannebach eingekesselt ist und Bodenbach, Gelenberg, Mosbruch, Ueß und Katzwinkel ihre 6 Anlagen beantragt haben? Wird dann der neue Gemeinderat sich immer noch gegen Windkraft entscheiden oder wieder die Pläne für die 6 Anlagen im „Wilden Gebirge“ aus der Schublade ziehen?

 

Die Zerstörung des Waldes, der Natur rückt immer näher an uns heran!

 

In Mosbruch wurden die Bürger*innen im Eilverfahren mit gerade mal drei Tagen Vorlauf am 11.10.2020 zu einer Bürgerbefragung eingeladen. Bei einer Wahlbeteiligung von immerhin 68,6 % waren gerade mal 56 Einwohner für die Aufstellung einer Windkraftanlage und 49 dagegen. Trotz des knappen Ergebnisses hat Bürgermeister Jürgen Gitzen und sein Gemeinderat am 17.11.2020 beschlossen, gemeindeeigene Flächen zur Errichtung einer 250 Meter hohen Windkraftanlage oberhalb von Kelberg im Kortenbüsch zur Verfügung zu stellen. Versteckt wurde dieser Beschluss im Amtsblättje übrigens unter dem Tagesordnungspunkt "Beratung Einwohnerbefragung".

 

Neben Mosbruch sind 2 weitere 250 Meter hohe Windkraftanlagen in den Gemarkungen Ueß und Katzwinkel geplant. Hier hat der Gemeinderat in Ueß mit Bürgermeister Achim Maas am 17.11.2020 und in Katzwinkel mit Bürgermeister Manfred Lenarz am 24.11.2020 ohne eine Befragung der Bürger*innen beschlossen, dass sie gemeindeeigene Flächen zur Errichtung von Windkraftanlagen zur Verfügung stellen.

 

Den Abschluss des größten geplanten Windparks im Landkreis Vulkaneifel bilden 7 Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 250 Meter im sogenannten Vierländereck Ehlert-Hunnert der Gemeinden Gefell, Utzerath, Hörscheid und Darscheid in der Verbandsgemeinde Daun. Bei durchgeführten Einwohnerbefragungen stimmten 84 % der Gefeller und 65 % der Utzerather Bürger*innen gegen die Errichtung jeweils einer Windkraftanlage auf Gemeindeflächen. In Darscheid ruderte in der Sitzung vom 20.08.2020 der Gemeinderat um Bürgermeister Ulrich Johann nach einer Unterschriftensammlung mit dem Ziel eines Bürgerbegehrens zurück und somit ist der ursprüngliche einstimmige Beschluss vom 02.06.2020 für die Bereitstellung der Gemeindeflächen für 3 Windkraftanlagen vorerst hinfällig. Zwei weitere Anlagen sind in der Gemarkung Hörscheid geplant. Bis auf den Gemeinderat Gefell mit Bürgermeister Alfred Gundert bleibt das Ziel eines Windparks im Vierländereck Ehlert-Hunnert weiter auf der kommunalpolitischen Agenda der Gemeinderäte von Utzerath, Hörscheid und Darscheid.

 

Hinzu kommt, dass für die bereits 9 vorhandenen Windkraftanlagen der Gemeinden Beinhausen, Katzwinkel und Sarmersbach in den nächsten 5 Jahren ein sogenanntes Repowering ansteht. Das heißt, nachdem der 20-jährige Förderzeitraum der Anlagen ausgelaufen ist, wird nicht ein Weiterbetrieb der noch voll funktionsfähigen Anlagen in Betracht gezogen, sondern die 9 Anlagen mit einer Gesamthöhe zwischen 123,5 und 140 Meter werden durch 250 Meter hohe Windkraftanlagen mit neuem 20-jährigem Förderzeitraum ersetzt. Spätestens dann wird der Gemeinderat von Sarmersbach um Bürgermeister Dieter Treis wieder die Pläne für die 5 zusätzlichen 250 Meter hohen Anlagen im Bereich der alten Römerstraße auf den Tisch legen, gegen die bei einer durchgeführten Bürgerbefragung im Dezember 2018 noch 66 % der Sarmersbacher Bürger*innen gestimmt hatten.

 

Inklusive Repowering geht es hier also um 33 Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe bis zu 250 Meter und Investitionskosten zwischen 5 und 10 Millionen Euro pro Anlage und Standort. Von den neuen Anlagen sind 22 in Deutschlands Klimaschützer Nr. 1, dem Wald geplant. Im Vergleich zu den klimaschützenden Funktionen des Waldes haben Windkraftanlagen eine eindeutig NEGATIVE CO2-Bilanz und das Vorhaben wäre nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch ein Desaster für eine erfolgreiche Energiewende.


Vielen Dank an Peter Wohlleben für seine klaren Worte zum Thema Windkraft im Wald und dass wir seine Videos auf unserer Internetseite verlinken dürfen. Weitere Videos von Peter Wohlleben zu dem Thema gibt es unter Downloads.

 

Die Bodenbacher Bürger*innen stimmen also nicht einfach mit JA oder NEIN für den Bau EINER einzelnen Windkraftanlage in der Gemarkung Bodenbach, sondern ob durch ihr Votum der Stein für den größten Windpark im Landkreis Vulkaneifel mit einem Investitionsvolumen zwischen 150 und 300 Millionen Euro ins Rollen gebracht wird. Dies kann nachher niemand mehr aufhalten und bei den Summen, um die es hier geht, will dies auch niemand mehr aufhalten. Mit einem JA würde Bodenbach definitiv Geschichte schreiben und das nicht nur in der Verbandsgemeinde Kelberg – Allerdings eine mit dramatischem Ausgang.

Für uns als Naturschützer ist es hierbei von allergrößter Bedeutung , dass die neuen Formen der Energieerzeugung die natürlichen und kulturellen Eigenarten unserer Landschaften, die Böden und das Grundwasser, sowie die Lebensräume von Pflanzen und Tieren nicht beeinträchtigen oder gefährden.

[Johannes Bradtka Vorsitzender VLAB]